Mittendrin im Leben trotz Sehbeeinträchtigung
Mittendrin im Leben trotz Sehbeeinträchtigung
Eine blinde Rechtsanwältin, ein blinder Kommissar – in Spielfilm und TV sind sie kaum noch wegzudenken: blinde oder sehbehinderte Berufstätige.
Sie machen vor, dass mit ihnen zu rechnen ist. Auch wenn sie sich hier und da blaue Flecken an Leib und Seele holen oder das eine oder andere Klischee bedienen, Mitleid benötigen sie nicht. Zwar läuft im „wahren Leben“ nicht alles immer so erfolgreich wie im Film, doch blinde und sehbehinderte Menschen sind heute auch im Beruf weitgehend akzeptiert. Als Kollegen, Vorgesetzte, Auszubildende. Und das ist in einer leistungsorientierten Gesellschaft nicht immer einfach.
Technik und Assistenz machen es möglich
Es gibt eine Reihe technischer Hilfsmittel, mit denen Sehbehinderung oder Blindheit am Arbeitsplatz ausgeglichen werden können: Vergrößerungslupen, größere Bildschirme, Bildschirmlesegeräte, Software für eine Sprachausgabe oder Computer-Braillezeilen gehören dazu. Papiere können eingescannt und durch die Computerstimme vorgelesen werden, E-Mail und WhatsApp erleichtern die Kommunikation mit Sehenden, Arbeitsplatzassistenz hilft bei der Orientierung in fremder Umgebung oder bei der Papierablage.
Mit Blindheit und Sehbehinderung voll im Beruf
Wer wissen will, wie Ausbildung, Studium oder Beruf mit Sehbehinderung oder Blindheit funktioniert, findet im Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) „echte“ Beispiele. In diesem Netzwerk der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe haben sich Betroffene aus den verschiedensten Berufen selbst organisiert. Auch Ruheständler und Studierende sind im Verein aktiv.
Sie setzen sich für sehbehinderte und blinde Menschen in allen Lebenslagen ein. 54 Prozent der rund 1.300 Mitglieder sind berufstätig, z. B. als Verwaltungsangestellte, Lehrer, Juristen, Musiker, Heilpraktiker … Zu ihren Kernanliegen gehören Beruf, lebenslanges Lernen und Barrierefreiheit.
Gerade der, der erst kürzlich mit der Diagnose einer Sehbehinderung oder drohenden Blindheit konfrontiert wurde, hat viele Fragen.
„Gerade der, der erst kürzlich mit der Diagnose einer Sehbehinderung oder drohenden Blindheit konfrontiert wurde, hat viele Fragen“, so der blinde DVBS-Mitarbeiter Wilhelm Gerike. Er ist in der DVBS-Geschäftsstelle unter anderem für die Eingangsberatung zuständig und vermittelt bei Bedarf Ratsuchende an kompetente Ansprechpartner:innen weiter. Zum Beispiel an Werner Wörder, den blinden Gymnasiallehrer für Geschichte sowie Politik und Wirtschaft. Er engagiert sich im DVBS als Erster Vorsitzender und weiß aus langjähriger Erfahrung: „Am besten lässt sich in einem Gespräch herausfinden, wo der Schuh drückt.“ Was sind die häufigsten Fragen? Werner Wörder: „Betroffene möchten etwa wissen: Wo kann ich neue Techniken lernen? Welche Hilfsmittel wären nützlich? Wie und wo kann ich Unterstützung beantragen? Wäre eine gute Arbeitsplatzassistenz hilfreich? Wo liegen meine Kompetenzen, mit denen ich weiterhin punkten kann? Welche Chancen habe ich unter den neuen Umständen? Und welche Möglichkeiten hat ein Arbeitgeber, wenn er mich als schwerbehinderten Menschen einstellt?“ Denn die Agentur für Arbeitkann das Gehalt unter Umständen für bis zu fünf Jahre mit bis zu 70 Prozent fördern.
Fragen sind ein wichtiger Schritt, um den Alltag mit Sehbehinderung oder Blindheit zu bewältigen. Um passgenaue Antworten geht es im DVBS – unabhängig, kompetent und auf Augenhöhe. Der DVBS hält Kontaktadressen bereit und gibt Tipps für Anträge. Auch Arbeitgeber und Schwerbehindertenvertretungen können sich hier informieren. Sie erfahren, wie sie die Bedürfnisse blinder oder sehbehinderter Menschen bei der Teamarbeit oder in Fortbildungen bestmöglich berücksichtigen können.
Der DVBS versteht sich als Unterstützer, Mutmacher und Begleiter. Er gibt Informationsbroschüren und das Fachmagazin „horus“ heraus. Seit 2024 wird dies durch die Förderung der BKK PwC unterstützt – damit Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit aktiv am Leben teilnehmen können. Und weil Wohlbefinden eben auch Empowerment bedeutet. Wer durch einen Sehverlust seine bisherigen Perspektiven aus den Augen verloren hat, entdeckt mit dem DVBS wieder neue Chancen. Nur Mut – der DVBS freut sich über Ihren Kontakt!
Sehbehinderung und Blindheit
Als sehbehindert gilt, wer mit optimaler Korrektur auf dem besseren Auge weniger als 30 Prozent dessen sieht, was Normalsichtige erkennen.
Als hochgradig sehbehindert gilt, wer weniger als 5 Prozent sieht.
Sehbehinderungen wirken sich je nach Diagnose unterschiedlich aus: Manche Betroffene erkennen erst im Abstand von fünf Metern, was normal Sehende bereits aus 100 Metern erkennen. Andere blicken wie durch einen Tunnel.
Bei Blindheit ist auf dem besseren Auge selbst mit optimaler Korrektur weniger als zwei Prozent der normalen Sehkraft vorhanden.
Häufige Ursachen von Sehbehinderung oder Blindheit
- Grauer Star (Katarakt): Die Linse trübt sich ein, das Sehen wird verschwommen. Wird meist erfolgreich durch eine Operation behandelt, bei der die Linse durch eine künstliche ersetzt wird.
- Grüner Star (Glaukom): Gesichtsfeldausfälle von außen nach innen, oft lange unbemerkt, später Verlust der Sehschärfe. Behandlung durch Augentropfen, Laser oder Operation, um den Augeninnendruck zu senken – kann unbehandelt zur Erblindung führen.
- Makula-Degenerationen: Erkrankungen der Netzhautmitte (Makula), häufig ausgelöst durch Durchblutungsstörungen. Die Mitte des Sichtfelds ist verschwommen, während der Randbereich erhalten bleibt. Wird oft mit Medikamenten, Injektionen oder Lasertherapien behandelt, damit das Fortschreiten verlangsamt wird.
Chronische Krankheiten wie Diabetes oder Infektionen der Netzhaut können ebenfalls Sehbehinderungen oder Blindheit verursachen. Sehschärfe (Visus), Blendempfindlichkeit und Nachtblindheit sind wichtige Kriterien, um Seheinschränkungen einzuordnen. Nur eine fundierte Diagnose bringt Gewissheit. Daher sind frühzeitige augenärztliche Untersuchungen wichtig!
Kontakt
Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V. (DVBS)
Frauenbergstraße 8 - 35039 Marburg
Tel.: 06421 94888-0 E-Mail: info@dvbs-online.de
Web: dvbs-online.de
Pressekontakt: Elias Knell
Tel.: 06421 94888-26 E-Mail: knell@dvbs-online.de
Veröffentlicht: 29.07.2025 - Aktualisiert: 11.12.2025