Skoliose – Wirbelsäule in Schieflage

Je früher erkannt, desto besser behandelbar

Von hinten betrachtet sieht die menschliche Wirbelsäule normalerweise gerade aus. Wenn sie zur Seite gekrümmt ist und Wirbel schief stehen, sprechen Mediziner:innen von Skoliose. Eine Skoliose kann im Bereich der Lenden-, Brust- oder Halswirbelsäule auftreten oder in einer Kombination.

Wer erkrankt an Skoliose?

Etwa zwei Prozent der Jugendlichen haben eine Skoliose, wobei Mädchen sechsmal häufiger betroffen sind als Jungen. Skoliosen treten meist ohne bestimmbare Ursache während eines Wachstumsschubs auf. Da sie zunächst keine Beschwerden verursachen, werden sie oft nur durch Zufall entdeckt.

Woran erkennt man eine Skoliose?

Eine Skoliose fällt oft eher zufällig auf, wenn die Eltern oder Freunde ein Kind nach längerer Pause einmal wieder in Badekleidung oder Unterwäsche sehen. Von hinten betrachtet wirkt dann der Rücken irgendwie schief. Vielleicht steht das Becken schräg, die Schultern sind verschieden hoch oder die beiden Taillen-Dreiecke wirken asymmetrisch: Das sind die bei gerade herabhängenden Armen als „Aussparung“ zu sehenden Dreiecke zwischen Arm, Rumpf und Becken. Wenn sich das Kind gerade nach vorne beugt und die Arme hängen lässt, ist zu erkennen, dass auf einer Seite die Rippen weiter nach oben stehen als auf der anderen; das nennt man Rippenbuckel.

Wenn das auffällt, sollte ein Besuch beim Orthopäden ausgemacht werden, um zu überprüfen, ob eine Skoliose vorliegt.

Diagnose beim Orthopäden

Der oder die Orthopäd:in wird zunächst den Rücken abtasten. Durch verschiedene Bewegungsübungen wird die Beweglichkeit der Wirbelsäule getestet; außerdem werden mögliche andere Ursachen für eine Fehlhaltung abgeklärt. Mit dem Skoliometer, einer Art Wasserwaage, kann der Krümmungsgrad bestimmt werden. Für die genaue Diagnose wird ein Röntgenbild im Stehen von hinten angefertigt, oft auch ein zweites von der Seite. Den Winkel, den die am stärksten schräg stehenden Wirbel am oberen und unteren Ende der Krümmung dabei zueinander bilden, nennt man Cobb-Winkel. Er ist ein wichtiges Diagnose-Instrument und einer der Faktoren, die die weitere Behandlung bestimmen.

Leichte, mittlere oder starke Skoliose?

  • Eine Verkrümmung von unter 10 Grad Cobb-Winkel gilt noch nicht als Skoliose, nur als skoliotische Fehlhaltung. Sie braucht nicht behandelt zu werden.
  • Bei einem Winkel zwischen 10 und 20 Grad liegt eine leichte Skoliose vor, bei 20 bis 30 Grad eine mittlere Skoliose und bei über 30 Grad eine starke Skoliose, bei über 40 Grad eine sehr starke Skoliose.

Welche Behandlung notwendig wird, hängt vom Schweregrad der Skoliose und von der Skelettreife ab, also davon, ob das Wachstum schon weitgehend abgeschlossen ist oder noch weitere Wachstumsschübe zu erwarten sind. Je stärker die Skoliose ausgeprägt und je jünger das Kind ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Skoliose ohne Behandlung noch verstärken wird.

Welche Probleme kann eine Skoliose langfristig verursachen?

Eine leichte bis mittlere Wirbelsäulenverkrümmung verursacht zunächst kaum Beschwerden. Allenfalls können Rückenschmerzen auftreten, die aber auch ohne Skoliose durch Fehlbelastung entstehen können.

Langfristig kann Skoliose allerdings eine erhöhte Abnutzung von Wirbeln und Bandscheiben verursachen. Das kann häufige bis chronische Rückenschmerzen auslösen, zudem drücken die Bandscheiben möglicherweise auf den Nervenstrang im Rückenmark. Das ist schmerzhaft und kann Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Beinen bewirken.

Bei einer extrem starken Skoliose drücken die schräg stehenden Rippen möglicherweise auf Lunge und/oder Herz und führen zu Kurzatmigkeit und mangelnder Ausdauer. Das ist aber sehr selten – insbesondere, weil eine so starke Skoliose normalerweise
behandelt wird, bevor das passieren kann.

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Schweregrade der Skoliose

  • 10 bis 20 Grad = leichte Skoliose
  • 20 bis 30 Grad = mittlere Skoliose 
  • über 30 Grad = starke Skoliose
  • über 40 Grad = sehr starke Skoliose

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei den unterschiedlichen Ausprägungen der Skoliose?

Leichte Skoliose

Es genügt in der Regel Krankengymnastik oder Physiotherapie. Speziell für Skoliose wurde die Schroth-Physiotherapie entwickelt, bei der mit einer Kombination aus Streck-, Haltungs-, Atem- und Kräftigungsübungen gearbeitet wird. Sie ist jedoch recht aufwändig und die Übungen sind nicht einfach zu erlernen. In vielen Fällen hilft auch schon „normale“ Krankengymnastik. Auf jeden Fall sollten die Übungen an die individuelle Form der Skoliose angepasst sein und täglich durchgeführt werden.

Mittelstarke Skoliose

Bei dieser Diagnose wird meist ein Korsett verschrieben. Es wird individuell gefertigt und drückt in der Wachstumsphase an bestimmten Stellen auf die Wirbelsäule, um diese zu begradigen oder zumindest eine Verschlimmerung zu verhindern. Das Korsett bringt umso mehr, je früher und konsequenter es getragen wird. In Kombination dazu ist ebenfalls Physiotherapie nötig, damit die so gestützten Rückenmuskeln nicht abbauen. Sobald das Wachstum abgeschlossen ist, kann das Korsett abgelegt werden.

Starke Skoliose

Je nach Ausprägung und Skelettreife ist manchmal eine Operation nötig. Dabei werden mehrere Wirbel miteinander verbunden und so begradigt und versteift. Diese Operation ist ein schwerer Eingriff, der ebenfalls Physiotherapie sowie in den ersten Wochen Schmerzmedikamente nötig macht. Dsa Für und Wider einer Operation sollten daher gut abgewogen werden.

Glücklicherweise ist eine Skoliose kein akuter Notfall, so dass Zeit zum Informieren  und Entscheiden bleibt. Auch eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen, ist sinnvoll.

Beobachten

  • Auf jeden Fall sollte bei einer Skoliose regelmäßig überprüft werden, ob sie sich verstärkt hat. Dies wird durch etwa viertel- bis halbjährliche Kontrolltermine beim Orthopäden bewirkt.
  • Sinnvoll ist es auch, wenn die Eltern den Rücken des Kinds regelmäßig fotografieren und die Aufnahmen mit Datum versehen, um die Entwicklung der Skoliose zu dokumentieren.

Mit diesen Vorsichtsmaßnahmen und einer angepassten Behandlung kann man eine Skoliose im Griff behalten, so dass sie keine Beschwerden verursacht.

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Veröffentlicht: 26.06.2023 - Aktualisiert: 22.01.2024