Make love, not Omelette

Durchatmen immer, Rührei nimmer

Mehr Lebensfreude, innere Stärke und Gelassenheit: Was im oft stressigen Alltag nach Utopie klingt, lässt sich lernen. Über das weite Feld der Resilienz, warum die Evolution noch heute den Höhlenmenschen in uns triggert und weshalb man im Zorn kein Rührei machen sollte – darüber spricht Natascha Scheer, Gesundheitsmanagerin bei PwC, im Interview.

Das Interview mit Gesundheitsmanagerin Natascha Scheer

Frau Scheer, weshalb ist das Thema Resilienz aktuell so sehr im Fokus?

Das liegt am Gegenspieler der Resilienz: dem Stress. Unsere Gesellschaft ist nun einmal sehr schnelllebig, da lässt sich Stress nicht komplett abstellen. Das ist übrigens auch gar nicht das Ziel, denn das kann nicht funktionieren. Resilienz ist vielmehr genau der Hebel, um damit besser – sprich: gesünder – umgehen zu können.

Stress ist also per se nichts Schlechtes?

Genau. Stress darf sein! Aber wichtig ist, die Auswirkungen unter Kontrolle zu haben. In Stresssituationen schütten wir das Stresshormon Cortisol aus. Was evolutionär gesehen auch gut ist, denn Stress kann Leben retten. Wenn unsere Vorfahren einem Säbelzahntiger über den Weg gelaufen sind, war das stressig. Sie waren hellwach, kampf- oder fluchtbereit. Bloß: So ein Raubtier hat ja nicht alle fünf Minuten auf die Menschen der Vorzeit gewartet. Sprich, sie hatten viel mehr Zeit, den Stresslevel wieder herunterzufahren. Diese Erholungsphasen fehlen heute.

Waren die Menschen früher grundsätzlich resilienter?

Unsere Großeltern hatten ohne Frage auch ihre teils existenziellen Ängste und Sorgen. Zugleich machen wir uns heute viel mehr Dauerstress. Durch den höheren Nachrichtenkonsum. Durch die globale Vernetzung. Auch Social Media spielen eine Rolle. Wir können uns sehr viel mehr vergleichen und sehen, was andere für ein – scheinbar – perfektes Leben führen.

Spielt da auch Freizeitstress mit rein?

Corona einmal außen vor, jagt heute gefühlt ein Happening das nächste. Ruckzuck ist da das Wochenende von morgens bis abends durchgeplant. Platz für Entspannung bleibt wenig. Daher ist es wichtig, sich klarzumachen, dass dieser Stress selbst gewählt ist. Ohnehin ist Selbstreflexion ein wichtiger Resilienz-Baustein.

Apropos, gibt es eigentlich elementare Resilienz-Bausteine?

Resilienz ist ein Thema, das sich ständig um neue Aspekte erweitert. Entsprechend gibt es viele verschiedene Ansätze. Entscheidend ist letztlich, dass wir Methoden finden, die uns gelassener und widerstandsfähiger machen. Man muss nicht alle kennen oder umsetzen – wichtig ist, solche zu nutzen, die einem weiterhelfen. Resilienz ist ein Rüstzeug, um den Herausforderungen im Alltag gut vorbereitet entgegentreten zu können. Schließlich gehe ich ja auch nicht mit einer stumpfen Säge in den Wald.

Umgekehrt gefragt: Was ist Resilienz nicht?

Sie ist weder Esoterik noch etwas, das man sich kauft, fünf Minuten durchliest und dann „hat“ oder „kann“. Sie ist außerdem kein Themenfeld, in dem Methoden von der Stange funktionieren. Dazu sind die Anforderungen zu individuell. Und – Resilienz ist kein Universal-Heilmittel. Wichtig ist, zu prüfen: Wie sehr ist das Kind schon in den Brunnen gefallen? Sprich: Hilft Resilienz-Training noch oder braucht es womöglich ärztliche Unterstützung?

Was sind Anzeichen, dass Resilienztraining angebracht wäre?

Oft merken Sie das in typischen Alltagssituationen. Zum Beispiel: Der Chef schreibt eine E-Mail, mit der er – einmal wieder – eine super dringende Aufgabe verteilt und die zudem noch unhöflich geschrieben ist. Oder Sie stehen an der falschen Supermarkt-Kasse und alles dauert zu lange … klar, das nervt. Wenn Sie aber merken, dass in solchen Situationen Ihr Puls steigt und Sie sich ärgern, auch wenn das eigentlich gar nicht Ihrer Persönlichkeit entspricht, können Resilienz-Methoden hilfreich sein. Denn Ihre Wut und Aggression treffen ohnehin fast nie den, den sie treffen sollten. Sie vergeuden dadurch Energie und stressen unnötig Ihren eigenen Körper.

Haben Sie eine Technik gegen solche emotionalen Ausraster?

Ja, die Methode des Gelassenheits-Experten Christian Bremer hat sich bewährt: Machen Sie kein Rührei. Sie können sich das Eigelb als eigene Einflusszone vorstellen, all das, was beeinflussbar ist. Das Eigelb verbildlicht die anderen Zonen, auf die Sie keinen Einfluss haben. Wenn wir uns aufregen, sollten wir uns die Frage stellen, ob die Situation durch uns beeinflussbar ist. Oftmals vermischen wir die Einflusszonen und machen Rührei. Den Ärger können Sie sich sparen.

Jeder Mensch hat unterschiedliche Lebensumstände und Stressfaktoren. Wie können Sie BKK PwC-Versicherten dennoch individuell helfen?

Indem wir verschiedene Methoden aus dem breiten Feld der Resilienz auch breit gefächert anbieten. Es ist wie bei Sportarten: Was für den einen super funktioniert, kann den anderen langweilen oder nur noch mehr stressen. Ausprobieren heißt die Devise! Wir hatten ja die „Höher, schneller, Bullshit“-Kampagne, deren Inhalte noch immer verfügbar sind. Zudem haben wir im November die Easy Mind@PwC-Reihe mit dem Gelassenheits-Experten Christian Bremer gestartet.

Easy Mind@PwC

Easy Mind@PwC findet zwei mal monatlich exklusiv für Mitarbeitende der PwC statt. Der Einstieg ist jederzeit möglich. Die Teilnehmenden tauschen sich zu stressigen Alltagssituationen aus und lernen Methoden, um ein gelasseneres Mindset zu entwickeln.

BGM – Betriebliches Gesundheitsmanagement bei PwC

Kontakt Natascha Scheer

Telefon: +492119814199
E-Mail: natascha.scheer@pwc.com

Tipp

Viele Inhalte der erfolgreichen BGM-Resilienz Kampagne „Höher, schneller, Bullshit!“ unter Beteiligung der BKK PwC stehen Mitarbeitenden der PwC noch kostenfrei zur Verfügung.

Übersicht gesundheit@pwc

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Veröffentlicht: 29.10.2021 - Aktualisiert: 29.06.2022